Hrrmm... generell muss ich sagen, dass ich da skeptisch bin. Nicht mal unbedingt wegen Daybreak GC oder besser gesagt Enad Global 7 (obwohl es da sicher auch Gründe gäbe), aber ganz generell bekomme ich bei solchen Übernahmen immer dezente Bauchschmerzen. Der Artikel ist natürlich sehr positiv gehalten, aber das ist ja immer der Fall. Hervorgehoben und bejubelt werden immer die potentiell positiven Aspekte und andersartige werden per Suggestion ausgeblendet, durch Nichterwähnung als nichtexistent dargestellt. Das macht natürlich auch Sinn, denn tatsächlich ist ja auch das ein Teil der Marketingkette.
Meine auf leidigen Erfahrungen beruhenden Befürchtungen basieren auf folgendem:
Ein kleines, offensichtlich finanziell schwankendes Unternehmen wird von einem großen aufgekauft. Warum? Nun, kein großes Unternehmen, kein global Player ist jemals so weit gekommen aufgrund von Nettigkeiten. Um richtig groß zu werden, braucht ein Unternehmen nebst viel Geld auch Ellbogen und einen adäquaten Anteil an Soziopathie im Management. Sozialkompetenz wird immer nur soweit dargestellt, wie es dem Pflichtteil entspricht und gerade noch vielleicht soviel mehr, um das Unternehmen auf dem ersten Blick nach außen hin "gutartig" darzustellen, Kunden und Angestellten gleichermaßen wohlgesonnen. Aber tatsächlich geht es ja nicht darum, und auch nicht darum, jemanden zu retten. es geht immer nur um Profit - was ja nachvollziehbar ist, so funktioniert die Wirtschaft nun mal. Und das lass ich jetzt mal für einen kleinen Moment so stehen.
Jetzt haben wir da S6, die mit Palia ein nettes kleines Spiel herausgebracht haben, dass einen aktuell zwar noch langsam, aber stetig wachsenden Markt ansprechen soll. Aber irgendwas läuft da nicht ganz rund, sonst hätte mal nicht im letzten Jahr 15% (? Ich bin nicht mehr ganz sicher, aber ich glaube mich zu erinnern, dass es 15% waren... nagelt mich aber nicht darauf fest) der Belegschaft entlassen, und dieses Jahr nochmal 30%. Dies suggeriert für mich dann natürlich, dass die Fixkosten höher sind als die Einnahmen, die das Spiel generiert.
Wenn jetzt also so ein Unternehmen wie Enad Global 7 etwas aufkauft wie S6/Palia, dann versprechen sie sich natürlich davon etwas. Nämlich, wie bereits erwähnt, Profit. Aber Palia wirft ja augenscheinlich nicht genug ab, um seine Kosten zu decken. Jetzt kann es natürlich sein, dass EG7 vielleicht aufgrund der puren Menge an Servern, die sie besitzen, andere/bessere Konditionen haben, aber das allein wird es nicht rausreißen.
Was also meiner Meinung nach passieren wird ist, dass Palia viele Veränderungen durchlaufen wird, insbesondere bei der Monetarisierung, also unter anderem beim Cash-Shop. Dies wird alles nicht sofort passieren, denn sonst ist es zu sichtbar und zu viele Spieler würden evtl. abspringen. Nein, das wird langsam passieren, scheibchenweise. Aber wenn man dann irgendwann nach zwei Jahren zurückschaut, wird man sicher feststellen, wie sehr sich das Spiel doch verändert hat. Zum Positiven oder Negativen? Das muss sich erst noch zeigen, aber normalerweise überwiegt da leider zweiteres.
Palia ist wirklich ein nettes kleines Spiel, welches größtenteils entspannt und relativ wettbewerbslos ist. Und genau da liegt wohl der Knackpunkt. Ohne Wettbewerb gibt es keine Notwendigkeit zu versuchen, besser zu sein als andere Spieler. Insofern würde eine pay2win-Situation im Cash-Shop nichts bringen. Ergo wird wohl entweder versucht, diverse Wettbewerbsszenarien nachträglich einzubauen, oder man verlässt sich auch weiterhin primär auf kosmetisches, das man kaufen kann. Funktioniert ja auch, so einige Spiele beweisen dies. Der Punkt ist nur, unter diesen neuen Schirmherrschaft durch EG7 besteht die Gefahr, dass das Spiel einfach eingestampft wird, wenn Palia über einen gewissen Zeitraum nicht so performt wie erwartet.
Unterm Strich gesagt, ja, ich hab da diese metaphorischen Bauchschmerzen. Und ja, ich hätte gern, dass es trotzdem funktioniert und geb' der Sache definitiv eine Chance. Aber dennoch bleibe ich skeptisch, denn solche Szenarien erlebe ich jetzt nicht zum ersten Mal und die meisten gingen auf die ein oder andere Weise nicht gut aus.